Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, welche Superkräfte du besitzt? In jedem von uns schlummert doch eine kleine Alltagsheldin oder ein kleiner Alltagsheld, wenn wir zum Beispiel mal eben die Nachbarn mit unseren handwerklichen Tätigkeiten verzaubern, eine Freundin mit einem künstlerischen Meisterwerk zum Geburtstag überraschen oder in unserem Job tagtäglich alles geben, um anderen Menschen zu helfen. Dies sind nur einige Beispiele, bei denen wir im Alltag und im Beruf unsere eigenen Fähigkeiten nutzen. Und wir Alltagsheldinnen und -helden lieben es auch, unseren eigenen Hobbies nachzugehen, bei denen wir so manch eine Fähigkeit einsetzen, die wir oft als sehr selbstverständlich ansehen.

Sehen, Sprechen, Hören oder Gehen – all das sind offensichtliche Fähigkeiten, die schützenswert sind und die mit einer Grundfähigkeitsversicherung abgesichert werden können. Aber hättest du gewusst, dass du mit dem passenden Versicherungsschutz auch Fähigkeiten wie Treppensteigen, Autofahren oder Smartphone benutzen absichern können? Wir schauen uns die Grundfähigkeitsversicherung einmal genauer an.

Was steckt hinter der Grundfähigkeitsversicherung?

Die Grundfähigkeitsversicherung kann dir eine monatliche Rente zahlen, wenn du als versicherte Person eine oder mehrere deiner vertraglich vereinbarten und abgesicherten Grundfähigkeiten für mindestens sechs Monate ununterbrochen verlierst. Zu den Grundfähigkeiten können sowohl elementare körperliche Fähigkeiten wie z. B. Hören oder Sehen, als auch geistige Fähigkeiten zählen.

Welche Grundfähigkeiten werden über die Grundfähigkeitsversicherung abgesichert?

Tatsächlich lassen sich die Fähigkeiten, die mit einer Grundfähigkeitsversicherung abgesichert werden können, nicht pauschal definieren. Jedes Versicherungsunternehmen legt sie selbst und oft unterschiedlich fest, sodass allgemeine Aussagen nur schwer zu treffen sind. So lassen sich vor allem körperliche Fähigkeiten, die ein selbstbestimmtes und mobiles Leben ermöglichen, absichern. Dazu zählt beispielsweise der Gebrauch einer Hand oder eines Armes, das Schreiben oder Knien und Bücken. Aber auch Fähigkeiten wie Smartphone oder Tastatur können abgesichert sein. Wenn man genauer darüber nachdenkt, sind letztere aus unserer heutigen Lebenswelt nicht mehr wegzudenken. Darüber hinaus lassen sich Fähigkeiten für uneingeschränkte Mobilität wie Gehen, Autofahren oder Fahrradfahren absichern. Für manche Grundfähigkeiten besteht zudem eine Teilkapitalisierungsmöglichkeit.

Teilkapitalisierung bedeutet, dass du neben deiner monatlichen Rente eine Einmalzahlung bis zu einer Höhe der zwölffachen monatlichen Grundfähigkeitsrente erhalten kannst, wenn du eine der definierten Grundfähigkeiten verlierst.

Neben den körperlichen Fähigkeiten können auch geistige Fähigkeiten über eine Grundfähigkeitsversicherung abgesichert werden. Dazu können der Intellekt und das eigenverantwortliche Handeln zählen. Aber auch schwere geistige Krankheiten wie Schizophrenie und schwere Depression können im Zuge einer Grundfähigkeitsversicherung abgesichert werden.

Wann zahlt eine Grundfähigkeitsversicherung?

Grundsätzlich zahlt die Versicherung, wenn Versicherte eine oder mehrere der Grundfähigkeiten für mindestens sechs Monate verlieren. Manche Versicherungen können bereits beim Verlust einer vertraglich abgesicherten Grundfähigkeit greifen – unabhängig davon, ob sie körperlicher oder geistiger Natur ist. Eine Fähigkeit gilt dann als verloren, wenn sie sechs Monate ununterbrochen nicht genutzt werden kann.

Worin liegt der Unterschied zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Bei der Grundfähigkeitsversicherung dreht sich alles darum, bestimmte Fähigkeiten abzusichern. Anders ist es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, die die Arbeitskraft der Versicherten absichert: Sie zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf für mehr als sechs Monate ununterbrochen zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Hier ist der Versicherungsschutz dementsprechend an den Beruf geknüpft.

Unterschied Grundfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Grundfähigkeitsversicherung ist in vielen Fällen eine kostengünstigere Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, sie kann aber auch als sinnvolle Ergänzung zur BU dienen. Die Beitragshöhe ist bei beiden Versicherungsarten vom Alter, Beruf und dem Gesundheitszustand der zu versichernden Person abhängig.

Ein weiterer Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist, dass bei vielen Grundfähigkeitsversicherungen psychische Erkrankungen als Grundfähigkeit nicht automatisch im Versicherungsschutz eingeschlossen sind. Die Realität zeigt aber recht deutlich: Psychische Erkrankungen wie Burnout, Depressionen und Angststörungen sind mit 32 Prozent die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit.

Aufgepasst: Bei einigen Anbietern kann es sein, dass eine monatliche Rente erst gewährt wird, wenn du eine Grundfähigkeit für mindestens zwölf Monate oder sogar für mindestens 36 Monate verlierst. Damit kann die Hürde für die Zahlung der Leistung deutlich höher sein als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung – denn diese zahlt, wenn Versicherte für mehr als sechs Monate berufsunfähig sind. Ein grundsätzliches Prüfen der genauen Rahmenbedingungen inklusive Leistungsvergleich ist bei der Entscheidung, ob eine Berufsunfähigkeits- und/oder eine Grundfähigkeitsversicherung gewählt wird, sehr wichtig.

Für wen ist eine Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Eine Grundfähigkeitsversicherung kann insbesondere für Menschen, die beispielsweise aufgrund eines körperlich anstrengenden Berufs als „Risikoberuf“ (z. B. Handwerkerinnen und Handwerker) eingestuft werden und damit eine teilweise unbezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten, eine clevere Alternative sein. Ebenso zeigt die Erfahrung, dass sich Menschen aus bestimmten Berufsgruppen die teuren Policen einer Berufsunfähigkeitsversicherung teilweise nicht leisten können. Hinzu kommt, dass einigen Interessenten eine solche Police aufgrund von einschlägigen Vorerkrankungen nicht gewährt wird oder sie mit Risikozuschlägen rechnen müssen. Dabei sind gerade dies alles Menschen, die nicht ohne finanziellen Schutz dastehen sollten, um auch im Ernstfall ein selbstbestimmtes Leben weiter führen zu können. Eine gezielte Absicherung ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten über eine Grundfähigkeitsversicherung kann damit vor allem für körperlich, handwerklich, künstlerisch und sportlich Tätige eine gute Alternative oder Ergänzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung sein.

Zu den typischen Berufen, die auf die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative zurückgreifen, zählen beispielsweise:

- Industriemechanikerinnen und Industriemechaniker

- Maschinenbedienerinnen und Maschinenbediener

- Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer

- Paketzustellerinnen und Paketzusteller

- Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen

- Erzieherinnen und Erzieher

- Lageristinnen und Lageristen

- Produktionsmitarbeiterinnen und Produktionsmitarbeiter

- u.v.m.

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Kleine Checkliste: Worauf du bei einer Grundfähigkeitsversicherung achten solltest

1. Wie sind die Grundfähigkeiten definiert?

Hierbei solltest du prüfen, welche und wie viele Fähigkeiten versichert sind. Gleichzeitig lohnt der genaue Blick darauf, wie genau der Verlust der jeweiligen Grundfähigkeiten von der Versicherung definiert wird.

Tipp: Überlege genau, welche Fähigkeiten für deinen Beruf besonders relevant sind und welche Fähigkeiten dir für deine Hobbies am Herzen liegen.

2. Reicht die Rentenhöhe aus?

Halte dir vor Augen, wie hoch deine Kosten für deinen Lebensunterhalt sind und wie gut du über deine Altersvorsorge abgesichert bist. Hier zeigt sich recht schnell, dass die gesetzliche Erwerbsminderungsrente in der Regel nicht ausreicht, um alle Kosten zu decken. Für die Kalkulation der Versicherungssumme kann mit der Faustformel von etwa drei Viertel des eigenen Nettoeinkommens gerechnet werden.

3. Wie lang ist die Vertragsdauer?

Achte bei dem Vergleich von Tarifen der Grundfähigkeitsversicherung auch auf die Vertragsdauer. Hier kann es ratsam sein, eine Vertragsdauer bis zur Rente zu wählen, um sich vollumfänglich abzusichern und im Fall der Fälle einen Ersatz für die monatlichen Einnahmen zu haben. Mit Rentenbeginn greift dann die gesetzliche Rente und die private Altersvorsorge.

4. Beinhaltet die Police eine Nachversicherungsgarantie?

Eine Nachversicherungsgarantie bietet dir die Möglichkeit, die vereinbarte monatliche Rente, die im Vertrag geregelt ist, auch im Nachhinein ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Hierbei wird meist zwischen einer Nachversicherungsgarantie unterschieden, die ereignisunabhängig und ereignisabhängig (z. B. Hochzeit oder Beförderung) gewährt wird. Die Option ist vor allem für junge Menschen sinnvoll, da sich hier die Lebensumstände und die finanziellen Möglichkeiten oft im Laufe des Lebens ändern.

5. Gesundheitsfragen immer wahrheitsgetrau beantworten!

Wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind auch bei der Grundfähigkeitsversicherung zum Vertragsabschluss Gesundheitsfragen zu beantworten, die Aufschluss über das Risiko der zu versichernden Person geben. Hierbei solltest du in jedem Fall die Fragen ehrlich beantworten und mögliche Vorerkrankungen wahrheitsgemäß angeben. Andernfalls kann es im Falle eines Schadens dazu kommen, dass Leistungen gekürzt oder sogar komplett untersagt werden.

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