Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Wie eine aktuelle Studie herausgefunden hat, empfindet mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als überflüssig. Doch in der Realität wird jeder vierte Arbeitnehmende im Laufe seines Lebens mindestens einmal berufsunfähig – vorübergehend oder langfristig.

Was wäre, wenn du durch einen Unfall oder eine schwere (psychische) Krankheit deinen Job nicht weiter ausüben kannst und dein monatliches Gehalt plötzlich wegfällt? Könntest du weiterhin alle Rechnungen für dich und deine Familie bezahlen? Möglicherweise nicht. Denn meist richtet sich der eigene Lebensstandard – beispielsweise die Größe der Wohnung oder des Eigenheims, die Anzahl der Markenprodukte im Einkaufswagen oder Kosten und Anzahl der Hobbys – nach dem regulären Einkommen. Egal ob bei Singles oder Familien: Fällt von einem Tag auf den anderen ein signifikanter Teil davon weg, ist oft nicht nur der eigene Komfort gefährdet, sondern unter Umständen auch die gesamte eigene Existenz. Und die der Familie.

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann dir entsprechend der vertraglichen Bedingungen eine vereinbarte monatliche Rente zahlen, solltest du als versicherte Person deinen Beruf für mindestens sechs Monate ununterbrochen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu mindestens 50 Prozent ausüben können. Dies gilt auch für Studierende, Auszubildende oder Schulkinder, die ihre studentische oder schulische Ausbildung aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen unterbrechen oder gänzlich aufgeben müssen.

Warum reicht die staatliche Erwerbsminderungsrente nicht aus?

Inzwischen beziehen in Deutschland über 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Diese beträgt durchschnittlich 869 Euro im Monat. Wie hoch diese für dich persönlich ausfallen würde, kannst du aus deiner jährlichen Renteninformation ablesen. Meist reicht diese Rente jedoch nicht aus, um den eigenen finanziellen Lebensstandard aufrecht zu halten.

Über die Erwerbsminderungsrente erhältst du im Leistungsfall von der gesetzlichen Rentenversicherung eine Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung. Dafür gelten jedoch strenge gesundheitliche Voraussetzungen. Außerdem muss die Erwerbsminderungsrente versteuert werden und ist daher mit einer Grundabsicherung vergleichbar. Dies bedeutet, dass sie nur einen Teil des jeweiligen Bruttoeinkommens abdeckt.

Die halbe Erwerbsminderungsrente erhältst du, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nur noch drei bis sechs Stunden am Tag arbeiten kannst – egal in welchem Beruf. Der zuletzt ausgeübte Beruf ist dabei unerheblich. Die volle Erwerbsminderungsrente erhältst du dagegen, wenn du nur noch maximal drei Stunden pro Tag irgendeinen Beruf ausüben kannst.

Genau hier liegt also einer der Schwachpunkte der Erwerbsminderungsrente. Kannst du noch irgendeinen Job länger als sechs Stunden ausüben, erhältst du keine Leistung. Dabei spielt es keine Rolle, ob du in dem Beruf arbeiten willst oder ob überhaupt ein Job in dem Bereich frei ist.

Und auch weitere Voraussetzungen müssen erfüllt werden:

  • Eine allgemeine Wartezeit, das heißt, dass du mindestens fünf Jahre über die gesetzliche Rentenversicherung versichert sein und
  • innerhalb dieser fünf Jahre mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben musst.

Um die Wartezeit zu erfüllen, können neben den regulären Beitragszeiten auch Pflichtbeitragszeiten einberechnet werden. Dazu zählen beispielsweise Kindererziehungszeiten. Eine vorzeitige Wartezeiterfüllung kann über einen Arbeitsunfall, eine Berufskrankheit, eine Beschädigung im Wehr- oder Zivildienst oder auch im Falle von politischem Gewahrsam eintreten.

Allerdings: Letztendlich muss die Erwerbsminderungsrente wie alle anderen Einkommensquellen zu deinem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert werden. Auch hier gelten der Einkommenssteuerfreibetrag sowie der persönliche Rentenfreibetrag. Der Grundfreibetrag für die Einkommenssteuer liegt aktuell bei 10.347 Euro für Ledige (Stand Juni 2022). Wie hoch der Rentenfreibetrag ist, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Leistest du Abgaben zur Sozialversicherung, müssen diese nicht versteuert werden – dazu zählen Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse sowie zur Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Auf die private Krankenversicherung oder Zusatzleistungen musst du jedoch Steuern zahlen.

Am Ende wird die Erwerbsminderungsrente meist nur einen Teil deines Bruttoeinkommens abdecken und ein zusätzlicher individueller Vorsorgebedarf vorhanden sein. Diesen solltest du über eine private Arbeitskraftabsicherung in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Grundfähigkeitsversicherung absichern.

Darstellung der Versorgungslücke im Fall einer Berufsunfähigkeit

Wann liegt eine Erwerbsminderung vor und wann eine Berufsunfähigkeit?

In der Regel tritt eine Berufsunfähigkeit früher ein als eine Erwerbsminderung. Denn während sich eine Berufsunfähigkeit nur auf den zuletzt ausgeübten Beruf bezieht, muss es dir für eine Erwerbsunfähigkeit dermaßen schlecht gehen, dass du weder deinem zuletzt ausgeübten Beruf noch irgendeiner anderen bezahlten Tätigkeit nachgehen können.

Wann greift und zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Solltest du aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr in der Lage sein, deiner Arbeit nachzugehen, springt in der Regel zuerst deine Krankenversicherung ein, indem sie zunächst meist einen Großteil der anfallenden Behandlungskosten übernimmt. Innerhalb der ersten sechs Wochen deiner Arbeitsunfähigkeit erhältst du zudem als arbeitnehmende Person direkt von deinem arbeitgebenden Unternehmen eine Lohnfortzahlung und somit weiterhin 100 Prozent deines Nettoeinkommens. Nach diesen sechs Wochen zahlt dir deine Krankenkasse ein sogenanntes Krankengeld – allerdings für maximal 72 Wochen nach Ende der Lohnfortzahlung. Zu diesem Zeitpunkt entsteht jedoch bereits eine sogenannte „Versorgungslücke“. Denn mit dem Krankengeld werden nur circa drei Viertel deines vorherigen Gehalts abgedeckt.

Bist du über diesen Zeitraum hinweg weiterhin berufsunfähig, kann ab diesem Zeitpunkt deine Berufsunfähigkeitsversicherung einspringen. Als berufsunfähig giltst du, solltest du nicht mehr in der Lage sein, für mindestens sechs Monate ununterbrochen und zu mindestens 50 Prozent deinen zuletzt ausgeübten Job auszuführen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann dann eine im Vorfeld vereinbarte monatliche Rente zahlen und somit langfristigere Einkommensverluste ausgleichen, damit du weiterhin laufende Kosten, wie beispielsweise deine Miete, zahlen und selbstbestimmt leben kannst.

Worin liegt der Unterschied zu einer Grundfähigkeitsversicherung?

Eine Grundfähigkeitsversicherung dient dazu, alltägliche und vertraglich vereinbarte Fähigkeiten abzusichern, wohingegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung den Beruf der versicherten Person absichert. Eine Grundfähigkeitsversicherung greift bei dem Verlust dieser bestimmten definierten Grundfähigkeiten. Dazu können elementare körperliche Fähigkeiten zählen, wie beispielsweise Hören oder Sehen, aber auch geistige Fähigkeiten. Die Grundfähigkeitsversicherung kann dir im Falle eines ununterbrochenen Verlustes einer oder mehrerer deiner vertraglich abgesicherten Grundfähigkeiten für mindestens sechs Monate eine monatliche Rente zahlen.

Unterschied Grundfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung

Häufig ist die eben genannte Grundfähigkeitsversicherung eine kostengünstigere Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, da nicht die gesamte Arbeitskraft abgesichert wird und oft auch psychische Erkrankungen als Grundfähigkeit zusätzlich mit eingeschlossen werden müssen. Ebenso kann sie aber auch eine sinnvolle Ergänzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung sein.

Welche private Arbeitskraftabsicherung ist die richtige für mich?

Wir unterstützen dich gern bei der Feststellung deiner Vorsorgelücke und bei der Wahl der passenden Arbeitskraftabsicherung.

Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Du lebst von deinem Einkommen? Dann kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll für dich sein. Sobald du nicht auf dein Einkommen verzichten kannst, ist eine Absicherung deines Einkommens dringend zu empfehlen. Zwar variiert das Risiko, berufsunfähig zu werden, zwischen den Branchen und manche Berufe gelten als risikoreicher, doch letztendlich kann es jede und jeden treffen. Mit 37 Prozent sind psychische Erkrankungen wie Burn-out, Depressionen und Angststörungen sowie andere Nervenkrankheiten die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit. Dabei nimmt der Anteil an Menschen zu, die unter psychischen Erkrankungen leiden – nicht zuletzt auch wegen Corona. Auch Studierende, Auszubildende oder Schulkinder bleiben von Burn-out, Depressionen und Co. nicht verschont und können ebenfalls über eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert werden.

Worauf sollte ich bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten?

In unserer kleinen Checkliste verraten wir dir, was du vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten solltest: 

1. Wie hoch sollte ich meine Berufsunfähigkeitsrente ansetzen?

Als Richtwert gilt, dass mindestens 75 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens bzw. mindestens 1.000 Euro über die Berufsunfähigkeitsrente abgesichert werden sollten. Dies stellt sicher, dass du zumindest deine laufenden Ausgaben ausreichend decken kannst.

2. Brauche ich eine Beitragsdynamik?

Eine Beitragsdynamik kann dir helfen, die Inflation in der Leistung deiner Berufsunfähigkeitsversicherung auszugleichen. Denn durch diese steigt auch deine versicherte Leistung regelmäßig.  

3. Wie lang sollte die Vertragsdauer sein?

Da durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung deine Arbeitskraft abgesichert wird, sollte der Vertrag entsprechend deine gesamte berufstätige Zeit abdecken. Eine Versicherungsdauer bis zum 67. Lebensjahr ist daher sinnvoll und empfehlenswert. Ab Rentenbeginn sollten die gesetzliche Rente und deine private Altersvorsorge deinen Lebensunterhalt abdecken können. 

4. Muss ich die Gesundheitsfragen ehrlich beantworten?

Ganz klar: Ja. Mache dir hierfür unbedingt auch die Mühe, eventuelle Lücken mit deinen (ehemals) behandelnden Ärzten oder auch deiner Krankenkasse zu schließen, indem du Informationen oder Unterlagen anforderst. Denn sollte sich herausstellen, dass du fehlerhafte Angaben gemacht hast, kannst du im schlimmsten Fall deinen Versicherungsschutz und die damit verbundenen Leistungen verlieren. 

5. Benötige ich eine Nachversicherungsgarantie?

Über die Nachversicherungsgarantie kannst du die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ohne eine erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, sollten sich deine Lebensumstände ändern. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich dein Gesundheitszustand zwischenzeitlich verändert hat. Mögliche Ereignisse, bei denen die Nachversicherungsgarantie zum Tragen kommt, sind beispielsweise die eigene Hochzeit, die Geburt eines Kindes oder die Volljährigkeit. Vor allem junge Menschen können von dieser Option profitieren, da sich ihre Lebensumstände noch häufiger ändern können.  

6. Sollte im Vertrag ein Verzicht auf abstrakte Verweisung vorhanden sein?

Dieser Zusatz ist empfehlenswert, denn er stellt sicher, dass die Versicherung dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen kann, den du theoretisch noch ausüben könntest. Dabei wäre es egal, ob es tatsächlich auch offene Stellen in diesem Bereich gibt, und demnach würdest du keine monatliche Berufsunfähigkeitsrente erhalten.  

7. Was bringt mir die Akuthilfe?

Mit der Akuthilfe erhältst du die von dir vereinbarte monatliche BU-Rente für zwölf Monate, solltest du mit einer definierten schweren Krankheit diagnostiziert werden. Dazu zählen beispielsweise Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sollte sich dein Gesundheitszustand in dieser Zeit verbessern, ändert sich nichts an deinem Leistungsanspruch. 

8. Was passiert, wenn ich als Teilzeitkraft berufsunfähig werde?

Je nach Vertrag kann es sein, dass es keine Teilzeitklausel gibt. Bei manchen Berufsunfähigkeitsversicherungen kann jedoch eine sogenannte Günstigerprüfung greifen, solltest du als Teilzeitkraft berufsunfähig und der Berufsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent nicht erreicht werden. Darüber hinaus wird geprüft, ob du als Teilzeitkraft deiner Arbeit noch für täglich drei Stunden nachgehen kannst bzw. könntest. Ist dies nicht der Fall, erhältst du auf Grundlage der vereinbarten Leistungen deine BU-Rente. Achte daher darauf, dass in deinem Vertrag im Leistungsfall eine spezielle Lösung für Teilzeitkräfte vorgesehen ist, die keinerlei Einschränkungen vorsieht. 

9. Wie überbrücke ich finanzielle Engpässe in meiner Berufsunfähigkeitsversicherung?

Auch hier lohnt sich ein genauerer Blick in die Vertragsunterlagen. So bieten manche Versicherungen eine Möglichkeit, mit der du deinen Beitrag eine gewisse Zeit lang reduzieren kannst. So kannst du selbstbestimmt und sorgenfrei finanzielle Engpässe durch Mutterschutz, Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit oder auch Sabbaticals überbrücken.  

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