Beruf und Familie: Organisation ist alles

Den Beruf zugunsten der Kinder komplett aufgeben – das können oder wollen junge Frauen heute immer seltener. Trotzdem leisten vor allem Mütter nach wie vor einen Großteil der Familienarbeit. Klare Absprachen, ein zuverlässiges Netzwerk und gutes Zeitmanagement erleichtern den doppelten Einsatz. 

Papa geht arbeiten und Mama steht zu Hause am Herd – dieses Rollenbild gehört definitiv nicht ins einundzwanzigste Jahrhundert. Beruf und Gehalt zugunsten der Kinder komplett aufzugeben, können sich die wenigsten jungen Frauen noch vorstellen. Fast drei Viertel aller Mütter mit minderjährigen Kindern waren 2018 erwerbstätig, deutlich mehr als noch vor 10 oder 20 Jahren.

Allerdings: Es sind nach wie vor meist die Mütter, die für das Familienmanagement ihre Stundenzahl reduzieren, während die Väter in Vollzeit arbeiten. Hauptgrund ist das Geld. Nach wie vor verdienen Männer im Schnitt besser. Aber auch der Wunsch, in den ersten Jahren für die Kinder da zu sein und diese unwiederbringliche Zeit intensiv zu erleben, lässt viele Mütter freiwillig kürzertreten.

Egal, ob aus finanziellen Gründen oder freien Stücken: Der Alltag mit Job und Kleinkind ist oft anstrengend – gerade wenn die Kita streikt oder der Kindergeburtstag mit dem wichtigen Kundentermin kollidiert. Mit diesen Tipps verlierst du beruflich nicht den Anschluss und kommst entspannter durch den Familienalltag.

Effektives Zeitmanagement: Organisiere dich zuerst selbst

Der Schlüssel liegt in aller erster Linie in einem effektiven Zeitmanagement. Dafür empfiehlt es sich, morgens oder am besten sogar vor dem Zubettgehen eine To Do Liste zu schreiben. Somit weißt du, was dich am nächsten Tag erwartet, kannst priorisieren, gleiche Aufgaben zusammenlegen und ruhiger schlafen. Durch das Aufschreiben wird der innere Druck automatisch gemindert.

Eine konkrete Planung hilft, einen Überblick zu behalten und Aufgaben auszumachen, die du an andere Personen dirigieren kannst. So könnte dein Schwiegervater den Nachwuchs aus der Kita holen, damit du in Ruhe einkaufen kannst. Das spart nicht nur Aufgaben, sondern auch wertvolle Zeit, da es sich ohne Kinder bekanntlich schneller einkaufen lässt. Gleiche anschließend am nächsten Abend deine Aufgaben ab, übertrage unerledigte Aufgaben in die neue Planung und priorisieren Sie erneut.

Mehr Durchblick: Gewissenhafte Kalenderführung

Hast du all deine Termine im Kopf? Die von der Arbeit, deine privaten und die deines Kindes? Das haben wahrscheinlich die wenigsten. Daher ist ein gewissenhaft geführter Kalender neben einer To Do Liste dein bester Freund. Verwende dabei verschiedene Farben für die unterschiedlichen Termine, um möglichst viel Struktur in deinem Kalender zu erzielen. Bei der Farbwahl bist du natürlich vollkommen frei. Vielleicht willst du aber auch lieber Icons verwenden? Im Handel und online gibt es praktische kleine Stempelsets, die das Markieren einfacher machen. In Bullet Journals – einer besonders kreativen Form des Terminkalenders – wird auch gern Washi-Tape genutzt. Hier sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt. Tipp: Um besonders wichtige Termine nicht zu verpassen, können Erinnerungen auf dem Smartphone helfen. Schließlich schauen wir mehrmals täglich auf das Handy und werden automatisch an unsere Termine erinnert. Reicht dir eine Erinnerung nicht, stelle einfach mehrere ein. Hier lassen sich Erinnerungen auch zu bestimmten Zeiten einstellen. Der Kinderarzt hat am Mittwoch nur vormittags geöffnet, aber du brauchst unbedingt einen Termin? Dann stelle eine Erinnerung für den Vormittag ein, um ja nicht zu vergessen, dort anzurufen. 

ElterngeldPlus: Elterngeld trotz Teilzeitjob

Je kürzer die Familienpause, desto weniger leidet die Karriere. Wer bereits relativ früh in Teilzeit an den Arbeitsplatz zurückkehrt, bleibt bei Kunden, Kollegen und Vorgesetzten präsent. Um Mütter – und natürlich auch Väter beim frühen Wiedereinstieg zu unterstützen, gibt es das ElterngeldPlus. Statt 14 Monate lang können junge Eltern, die in Teilzeit arbeiten, nun bis zu 28 Monate lang ein reduziertes Elterngeld parallel zum Gehalt beziehen. So bleibt auch finanziell mehr Luft für Alltagshilfen, zum Beispiel zusätzliche Kinderbetreuung oder eine Haushaltshilfe. Und auch das staatliche Rentenkonto und die private Altersvorsorge profitieren.

Elternzeit: Warum nicht mal tauschen?

Auch die Frage, wer wann wie lange Elternzeit nehmen, kannst du seit 2015 noch flexibler klären. Du hast die Möglichkeit, bis zu 24 (statt nur 12) Monate deiner dreijährigen Elternzeit später – nämlich bis zum achten Lebensjahr des Kindes – zu nehmen. Beispielsweise zur Einschulung oder bei einem Umzug. Außerdem dürfen du und dein Partner die Elternzeit in je drei Abschnitte aufteilen. Das macht oft Sinn, denn kürzere Pausen sind in vielen Unternehmen leichter zu realisieren, als drei Jahre am Stück. Und wer sich zu Hause und im Job abwechselt, kann auch viel besser beurteilen, was der andere Partner gerade leistet – ein wichtiger Faktor für eine stabile Beziehung sowie gegenseitige Unterstützung und Hilfsbereitschaft.

Zeitpuffer einkalkulieren für weniger Stress

Fakt ist: Unabhängig davon, wie du und dein Partner die Erwerbs- und Familienarbeit aufteilen, ist der doppelte Einsatz oft anstrengend. Daher sollten berufstätige Familienmanager den Tag nicht bis auf die letzte Minute verplanen, sondern grundsätzlich ausreichend Zeitpuffer einkalkulieren. Dann gerätst du nicht so schnell unter Druck, wenn du den Bus verpasst, keinen Parkplatz findest oder lange warten musst. Wenn der Kalender überquillt, solltest du Termine streichen. Auch für den Nachwuchs muss es nicht jeden Tag Programmpunkte geben. Gerade kleine Kinder brauchen auch Ruhe und verlässliche Rituale.

Networking Mom: Das Netzwerk hilft

Die gute Nachricht: Egal ob berufstätige Mom oder Teilzeit-Daddy – für junge Eltern ist es relativ leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Kindergarten, Krabbelgruppe, Spielplatz, Nachbarschaft oder Soziale Medien – gehe offen auf andere Eltern zu und schaffe dir ein zuverlässiges Netzwerk, in dem einer dem anderen hilft.
Du verstehst dich super mit deinen Nachbarn? Frage doch einfach mal, ob diese auch für dich Babysitten würden! Manche Babyphones haben hohe Reichweiten, sodass du dein Kind abends in dein Bett legen und deinem Nachbarn das Babyphone zusammen mit den Hausschlüsseln überlassen kannst. Sollte etwas mit dem Kind sein, sind diese schnell vor Ort.

Erziehung zur Selbstständigkeit

Gehen beide Elternteile arbeiten, haben Kinder gute Chancen, schneller selbstständig zu werden. Nutze diese Tatsache! Oft trauen Erwachsene ihren Kindern nur wenig zu, doch unser Nachwuchs kann uns auch überraschen. Integriere deine Kinder daher früh in allem, was leicht ist. Binde sie im Alltag ein und lobe jede Hilfe. Natürlich hängt dies auch stark vom Alter der Kinder ab, aber lasse die Kleinen doch beim Tischdecken helfen oder zeige ihnen, wie sie sich selbst etwas zum Trinken nehmen können. Vielleicht nutzt du einen niedrigen Schrank für das Geschirr deiner Kinder, sodass sich diese gefahrlos ein Glas nehmen können. Sicherlich nimmt es zuerst etwas Zeit in Anspruch, Kindern alles zu zeigen, doch wenn sie dann schneller eigenständig werden und im Haushalt helfen, wird dies eine enorme Erleichterung für dich sein. Erkläre deinen Kindern auch, wie wichtig es ist, dass alle helfen: Je mehr sich alle Familienmitglieder einbringen, desto schneller sind sämtliche Aufgaben erledigt und desto mehr Zeit bleibt für die spaßigen Seiten des Familienlebens. Außerdem entwickeln deine Kinder somit mehr Selbstbewusstsein, wenn sie dann „wie die Großen“ Aufgaben erledigen.

Sich nicht schuldig fühlen: Die schwierigste aller Aufgaben

Die sicherlich schwierigste Aufgabe für arbeitende Eltern ist es, sich nicht ständig schuldig zu fühlen, denn das stresst automatisch. Du gibst täglich dein Bestes, doch es kann nicht immer alles klappen. Schließlich bist du auch nur ein Mensch. Wichtig ist es, wie du damit umgehst. Du schaffst eine relevante Deadline im Job nicht? Sprich rechtzeitig mit deinem Vorgesetzten und überlege zusammen mit ihm und/oder deinen Kollegen, wie du vielleicht doch noch rechtzeitig fertig werden könntest. Teamwork makes the dream work! Du hast ein wichtiges Turnier deines Kindes verpasst, weil du dringend auf der Arbeit gebraucht wurdest? Dann schlage ihm/ihr vor, dass du es wieder gut machst, zum Beispiel mit einem Ausflug nur zu zweit inklusive kleinen Abenteuern. Es muss auch nicht unbedingt etwas kosten.