Fonds, Aktien, Risiken: Vermögen richtig aufbauen

Expertentipps: Vermögen richtig aufbauen

Niedrige Zinsen, Inflation: Was tun mit dem Geld, wenn man ein Vermögen aufbauen möchte? Es ist an der Zeit zu handeln. Wer ein Vermögen für ein längeres, selbstbestimmtes Leben aufbauen will, braucht eine Strategie. Unsere Experten im Interview.

Welche Folgen hat das derzeitige Niedrigzinsumfeld für Sparer?
Dr. Matthias Wald:
Das derzeitige Niedrigzinsumfeld bedeutet vorrangig einen Handlungsbedarf für jedermann. Denn in diesem kommt der Zinseszinseffekt nicht mehr zum Tragen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass ohne Ertrag - zum Beispiel bei sicheren Anleihen, Sparbuch und Festgeld - selbst eine moderate Inflation zu schleichendem Vermögensverlust führt.

Wie sollten Sparer ihr Vermögen im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld am besten anlegen?
Dr. Felix Müller:
Sparer sollten sich Gedanken über Risiken machen und darüber, wieviel Risiko sie bereit sind, einzugehen. Muss denn wirklich das gesamte Geld und alle Sparraten, auch ohne jede Ertragschance risikolos angelegt werden? Der jeweils sinnvolle Mix hängt von der Kundenmentalität, vom Anlagehorizont und vielen anderen Faktoren ab. Bei der Entscheidung kann ein Berater helfen.

Der Klassiker, von dem man bei diesem Thema oft hört, ist ein Investment in Aktien. Für wen empfiehlt sich das? Wie beurteilen Sie das Risiko im Verhältnis zum möglichen Ertrag?
Matthias Wald:
Wer sein Geld in Aktien anlegt, investiert oft in Sachwerte, also in Unternehmen, die beispielsweise Produkte herstellen, die wir alle tagtäglich konsumieren. Vom Duschgel über Autos und Smartphones bis zum Feierabendgetränk. Produkte, die von Aktiengesellschaften hergestellt werden. Was spricht dagegen, wenn auch der "kleine Mann" von deren Gewinnen profitiert?
Das weltweite konjunkturelle Umfeld erscheint derzeit attraktiv. Nichtsdestotrotz ist der Bullenmarkt über 100 Monate alt und jeder Bullenmarkt endet irgendwann. Niemand weiß, wann es soweit ist. Insofern gilt: Ein Investment ist rein historisch betrachtet ab 15 Jahren Anlagehorizont relativ risikoarm. Das ist zwar keine Garantie für die Zukunft, aber doch eine gute Orientierung. Aktien oder Aktienfonds sollten daher die Basis für langfristiges Sparen wie beispielsweise für die Altersvorsorge darstellen. Für mittelfristiges Sparen sollte breit gestreut werden, aber dann sollten beispielsweise weitere Fondsarten wie Mischfonds und/oder Immobilienfonds in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Dr. Matthias Wald, Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsleitung bei Swiss Life Deutschland über clevere Geldanlage
Dr. Matthias Wald, Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsleitung bei Swiss Life Deutschland

Für wen eignet sich ein Investment in Fonds
Felix Müller: Für jedermann, sofern ein Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto vorhanden ist.

Wie finden Anleger das passende Produkt? Bedeutet teuer gleich besser?
Felix Müller: Billig gleich gut gilt doch, wenn wir ehrlich sind, bei kaum einem Produkt. Weder bei Lebensmitteln noch bei einem Fahrzeug. Das gleiche gilt für Investmentprodukte. Allerdings ist der Preis nicht das einzige Kriterium für die Güte oder die Passgenauigkeit eines Fonds. Den passenden Fonds aus über 8.000 in Deutschland zu finden, ist im aktuellen Marktumfeld für Privatkunden eine große Herausforderung. Wir haben dafür einen mehrstufigen Prozess installiert. Unsere Analysten wählen ungebunden aus fast allen Fondsgesellschaften in Deutschland aus. Dafür betrachten sie zunächst quantitative Fondsdaten, das heißt Vergangenheitsrenditen und Risikokennziffern wie Schwankungsbandbreiten. Überzeugen diese Daten, wird qualitativ durch intensive Fondsmanagerinterviews ermittelt, welche die Erfolgsursachen waren und ob diese auch in Zukunft funktionieren würden. Stimmt dann noch das Preis-Leistungsverhältnis für den Kunden, kommen solche Fonds in unsere Empfehlungsliste.

Dr. Felix Müller, Direktor Produktmanagement Investment bei Swiss Life Deutschland über clevere Geldanlage
Dr. Felix Müller, Direktor Produktmanagement Investment bei Swiss Life Deutschland

Wie beurteilen Sie das Risiko?
Felix Müller:
Man darf sich nicht von Vergangenheitsrenditen blenden lassen. Wichtig ist, den Fonds zu verstehen. Verstehe ich ein Produkt nicht, gilt: Finger weg oder einen Experten fragen, der sich wirklich damit auskennt.

Würden Sie sagen, dass Anleger heute mehr Risiko eingehen müssen, um ein Vermögen aufzubauen? Falls ja: Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Matthias Wald:
Risikolose Erträge gibt es praktisch nicht mehr. Wollen Anleger heute ein Vermögen aufbauen, müssen sie definitiv mehr Risiken eingehen. Das Zinsniveau ist auch politisch geprägt, die EZB stabilisiert damit unter anderem die südeuropäischen Staaten. Für Unternehmen und Privatleute bedeutet das Zinsniveau zugleich auch, preiswerte Kredite für Investitionen erhalten zu können. Das merken Privatleute beim Immobilienkauf. Firmen können preiswert expandieren. Sprich: Niedrige Zinsen sind für Sachwertanlagen attraktiv. Jede Situation hat eben auch ihre Vorteile.

Die EZB plant, 2018 die Zinsen wieder anzuheben. Welche Folgen hätte die Zinswende für Sparer? Wie sollten sie reagieren?
Matthias Wald:
Die Zinswende wird unserer Erwartung nach moderat ausfallen. Auch wenn das gut klingen mag: Den wunderbaren Zinseszinseffekt nutzen Sparer nur dann besonders erfolgreich, wenn sie langfristig zumindest moderate Risiken eingehen und dabei ihr Geld stets breit streuen. Sparer müssen handeln, wenn sie Erträge erzielen wollen und die für sie individuell passende Chancen-Risiko-Mischung herausfinden und umsetzen.

Dr. Matthias Wald ist Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsleitung bei Swiss Life Deutschland
Dr. Felix Müller ist Direktor Produktmanagement Investment bei Swiss Life Deutschland