Geordnete Trennung statt Rosenkrieg

10 Tipps, wie Sie schwerwiegende Fehler bei einer Scheidung
vermeiden können

Tipp 1: Güterstand gut überlegen
Nicht für jeden passt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Bei der Eheschließung sollte es kein Tabu sein, sich Alternativen wie Gütertrennung oder Gütergemeinschaft näher anzuschauen. (Begriffserläuterungen und eine gute Zusammenfassung dazu bietet eine Infobroschüre des Bundesjustizministeriums zum Thema Eherecht – downloadbar unter http://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Eherecht.html)

Tipp 2: Versorgungsausgleich im Ehevertrag regeln
In einem Ehevertrag kann festgelegt werden, dass die Beteiligungsquote nicht 50:50 beträgt, sondern zum Beispiel 60:40. Ein Paar kann beispielsweise vereinbaren, dass Versorgungsanwartschaften eines bestimmten Zeitraums nicht angerechnet werden. Üblich ist die Vereinbarung, dass das Trennungsjahr nicht mehr berücksichtigt wird. Man kann aber auch später nach der Trennung in beiderseitigem Einvernehmen gewisse Vorsorgeverträge aus der Versorgungsausgleichsberechnung herauslösen.

Nicht nur vor der Ehe oder Lebenspartnerschaft, auch kurz vor einer Trennung können noch schwerwiegende Fehler vermieden werden.

Tipp 3: Die Weichen für später stellen
Stehen Sie kurz vor einer Trennung, sollten Sie Ihre Versicherungsunterlagen genau überprüfen. Sehen Sie sich beispielsweise das Bezugsrecht an. Sollen die bestehenden Vereinbarungen so weitergeführt werden? Wurde ein Kapitalwahlrecht vereinbart oder wurde dieses zwischenzeitlich schon ausgeübt? In jedem Fall sollten Sie sich hier einen genauen Überblick verschaffen. Auch wenn Ihr Noch-Partner die Finanzen neu regeln will, ist es ratsam, sich darauf vorzubereiten.

Tipp 4: Wer Bescheid weiß, den belohnt das Leben
Auch vor Einreichung des Scheidungsantrags kann erfragt werden, ob und in welcher Höhe man ausgleichsberechtigt bzw. ausgleichsverpflichtet ist. Hierzu sollten die Unterlagen des Partners in Kopie vorliegen. Falls dies nicht der Fall ist:
Es gibt einen sogenannten Auskunftsanspruch gegenüber dem Partner. Außerdem sind subsidiär zur Auskunft verpflichtet: die gesetzlichen Rentenversicherungsträger, Beamtenversorgungsträger und öffentlich-rechtliche Versorgungsträger, aktuelle Arbeitgeber sowie ehemalige Arbeitgeber.

Tipp 5: Keine übereilten Aktionen
Bei jeder zehnten Kündigung einer Lebensversicherung ist der Grund eine Scheidung. Dies bringt in der Regel Nachteile und Verluste mit sich. Häufig gibt es Alternativen: Fragen Sie Ihre Versicherung oder Ihren Versicherungsberater!

Tipp 6: Schnelle Scheidung oder erst abwarten?
Aus finanzieller Sicht kann es durchaus ratsam sein, mit dem Scheidungsantrag noch eine Weile zu warten – zum Beispiel aus steuerlichen Gründen oder wenn man selbst der Ausgleichsverpflichtete ist und kurz vor der Rente steht. Denn die eigene Rente bzw. Beamtenpension wird erst dann gekürzt, wenn der Ausgleichsberechtigte auch seine Rente bzw. Pension erhält. Sprechen Sie auf jeden Fall mit einem Fachmann. Ob sich jedoch für mögliche finanzielle Vorteile eine höhere Nervenbelastung lohnt, muss jeder selbst entscheiden.

Tipp 7: Private Vorsorge anpassen und das Timing beim Versorgungsausgleich beachten!
Es gibt „zweckgebundene“ Ausgleichszahlungen – vor allem zu Beginn einer Trennung – die für den Aufbau einer privaten Vorsorge gedacht sind. Dieses Geld sollte man nicht mit den üblichen monatlichen Ausgaben verrechnen, sondern unbedingt in die Altersvorsorge investieren. Gerade Frauen, die Auszeiten wegen der Kindererziehung vorweisen oder längere Zeit nur in Teilzeit gearbeitet haben, sind davon betroffen. Je nachdem wie der Versorgungsausgleich ausfällt, muss die daraus entstehende Lücke in der Altersvorsorge rechtzeitig kompensiert werden.

Tipp 8: Sich vorzeitig die künftige Rente berechnen lassen
Zum Zeitpunkt der Scheidung wird auch die spätere Rente beider Partner betrachtet. Aber keine Sorge: Die bei der Scheidung übertragenen „Rentenanteile“ (genauer Entgeltpunkte) bleiben bestehen, auch wenn der ausgleichspflichtige Ex-Partner früher als geplant in Rente geht. Lassen Sie sich in jedem Fall die Auswirkungen der Scheidung auf Ihre Rente von einem Rentenberater oder der gesetzlichen Rentenversicherung erläutern.

Tipp 9: Riester-Förderung nicht vergessen
Stand einer Person die Riester-Förderung nur über den Partner zu, erhält sie für die Kalenderjahre nach der Scheidung keine Zulagen mehr. Der Vertrag kann selbstverständlich dennoch weitergeführt werden.

Tipp 10: Auch beim Familiengericht gilt: Kontrolle ist besser!
Oft passt eine individuelle Vereinbarung zum Versorgungsausgleich besser als die vom Gericht vorgeschlagene Standardlösung. Und manchmal schleichen sich auch bei Gericht Fehler ein. Ein typischer Fehler: Die ehezeitliche Rentenanwartschaft stimmt nicht. Dies liegt häufig daran, dass rentenrechtliche Zeiten (zum Beispiel für Kindererziehung, Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit) fehlen.

Haben Sie Fragen zu den finanziellen Auswirkungen einer Scheidung oder Trennung auf Ihre Versicherungsverträge bei uns, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf

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