Wenn nicht jetzt, wann dann? – Der große Traum von einer Weltreise

Liebe Beate, du hast das gemacht, wovon viele Menschen träumen – eine Weltreise zusammen mit deinem Mann. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen und wie lange war eure Vorbereitungszeit bis zum Abflug?

Die Idee zu einer Weltreise hatten wir bereits im Studium. Es vergingen jedoch zehn Jahre, bis wir den Abschluss in der Tasche, uns beruflich etabliert und das notwendige Budget für die Reise gespart hatten. Für die konkreten Planungen brauchten wir lediglich ein halbes Jahr.

Wie hat euer Umfeld auf eure Pläne reagiert und was war mit deinem Job, dem Einkommen und eurer Wohnung?

Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Die meisten Menschen waren positiv aufgeschlossen, bereuten, dass sie nie die Gelegenheit hatten, eine ähnliche Reise zu unternehmen, und freuten sich für uns. Andere fanden es zum Beispiel sehr befremdlich, dass ich meinen sicheren Job für die Reise gekündigt habe. Ich selbst konnte mir jedoch überhaupt nicht vorstellen, in den gleichen Trott zurückzukehren, und wollte lieber eine neue berufliche Herausforderung angehen. Auch unsere Entscheidung, unsere Wohnung aufzugeben, die Möbel zu verkaufen und nur das Nötigste in einer angemieteten Garage einzulagern, konnte nicht jedermann nachvollziehen.

Welche Länder habt ihr bereist und war alles im Vorfeld genau geplant oder war die Routenplanung eher spontan?

Mein Mann und ich hatten unabhängig voneinander eine Liste von zehn Orten erstellt, die wir unbedingt besuchen wollten. Diese haben wir dann auf einer Weltkarte markiert. Eine erste grobe Route war das Ergebnis. Eine feinere Planung mit weiteren Zwischenstationen erfolgte dann auf der Reise selbst. Unsere Ziele waren, die Erde zu umrunden und dabei so viel schönes Wetter wie möglich zu haben. Also recherchierten wir im Vorfeld nicht nur die Einreisebedingungen für die Länder, die wir besuchen wollten, sondern auch die optimalen Reisezeiten dafür. Daraus ergab sich, dass wir uns Richtung Westen bewegen müssen. Mit Erfolg: Wir hatten tatsächlich nur in Hongkong schlechtes Wetter.

Um die Unterkünfte kümmerten wir uns ein paar Tage vor unserem Aufenthalt oder sogar vor Ort. Wir genossen die Freiheit, an einem Ort so lange zu bleiben, wie es uns gefiel. Deshalb buchten wir auch die Flüge selbst und entschieden meist während der Reise, wann und wie wir aus einem Land ausreisen wollten. Von der chinesischen Grenze nach Kirgisien reisten wir zum Beispiel per Anhalter – mein Mann und ich getrennt in zwei LKWs – weil es gar kein anderes Transportmittel gab. Das war eine tolle Erfahrung. Nach einem Monat China, wo ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen konnte, war es ganz heilsam, endlich mit jemandem sprechen zu können. Dank eines Russisch-Sprachkurses an der Universität unterhielt ich mich mit dem Fahrer über Gott und die Welt, während wir im Schneckentempo über Gebirgspässe und Serpentinen an einer Reihe Sechstausender vorbeifuhren. Mein Mann und ich schafften es ohne Handyempfang, uns wiederzutreffen, die Fahrer der LKWs bewirteten uns in einem Gasthaus mitten im Nirgendwo und organisierten für uns die Übernachtung und die Weiterfahrt. Gerade ungeplante Situationen führen zu lehrreichen, wunderbaren Erlebnissen.  

Was war für dich das schönste Erlebnis während der Reise und welches Land hat dich am meisten überrascht?

Endlich im Land meiner Träume – Neuseeland – sein zu dürfen, war das Schönste. Zwei Monate verbrachte ich damit, zu wandern, Kajak zu fahren, zu schwimmen, Fallschirm zu springen. Außerdem widmete ich mich dort dem Paragliding und schrieb mein Buch. Neuseeland war genauso wunderbar, wie ich es mir vorgestellt hatte. Überrascht hat mich hingegen China. Das Land ist landschaftlich sehr vielfältig und kulturell reichhaltig. Ich möchte es unbedingt nochmals besuchen.

Weltreisende Beate Berez in Myanmar

Was hast du während deiner Auszeit am meisten vermisst und auf welchen Luxus konntest du am besten verzichten?

Ganz typisch habe ich deutsches Brot und Wurst vermisst sowie ein bequemes Bett und Kopfkissen. Zwar habe ich gelernt, dass man zum Leben nicht mehr als einen großen Rucksack braucht, aber doch habe ich manchmal meinen Kleiderschrank vermisst. So zum Beispiel als ich in der Oper von Sydney meine Flip-Flops tragen musste.

Was ist dein Fazit nach 14 Monate Weltreise? Hat man einen anderen Blick auf die Dinge des Lebens, wenn man so viele Länder bereist und unterschiedliche Kulturen kennengelernt hat?

Ich finde, dass Menschen immer wieder die Unterschiede zwischen den Kulturen betonen. Meine Erfahrung ist aber, dass wir viel mehr Gemeinsamkeiten haben. Die meisten Menschen wollen, dass es ihnen, ihren Familien und Freunden gut geht. Ich habe so viel Güte und Gastfreundschaft erlebt, dass ich gelernt habe, den Menschen zu vertrauen und ihnen zuzuhören. Denn sie haben viel zu erzählen. Auf meinen Reisen habe ich mehr über Menschen und Politik gelernt, als ich während meines Studiums der Politikwissenschaften und Psychologie jemals hätte lernen können. Für diese Erfahrungen bin ich dankbar. Denn so eine lange Reise ist auch immer eine Reise zu sich selbst. Mein Mut wurde in vielerlei Hinsicht belohnt.  

Welche Tipps kannst du unseren Lesern geben, die auch überlegen, eine Weltreise zu machen. Worauf ist zu achten?

Einerseits ist es wichtig, zu wissen, was man auf der Reise sehen und erleben möchte. Andererseits sollte man nicht alles bis ins Detail planen, weil man gerade so auf schöne, überraschende Erlebnisse verzichten würde. Ich erinnere mich eher an Dinge, die nicht nach Plan liefen. Den finanziellen Aspekt sollte man auch bedenken. Wiegen die Erlebnisse den Preis auf, den sie kosten? Fehlt das Geld vielleicht später, zum Beispiel beim Immobilienkauf? Möchte man zum Arbeitgeber zurückkehren? Wenn ja, kann man eine Zeit lang unbezahlten Urlaub nehmen? Besteht vielleicht sogar die Möglichkeit eines Sabbaticals, bei dem man einige Jahre auf Teile seines Gehaltes verzichtet, um dann während der Reise das gleiche Gehalt zu erhalten? In diesem Fall muss man viele Jahre im Voraus planen. Möchte man während der Reise jobben, um die Reisekasse aufzubessern? Ich traf Weltreisende, die Klavierkonzerte gaben, Englisch in China unterrichteten oder gegen Bezahlung malten oder kochten. Ein weiterer Tipp: In der Jahresmitte zu verreisen und zurückzukehren, kann sich steuerlich positiv auswirken. Eine wichtige Frage: Wie sieht eine Lücke im Lebenslauf aus? Meine Erfahrung zeigt, dass sie sich auszahlen kann. Ich wurde auch wegen der Weltreise zu Vorstellungsgesprächen eingeladen.

Was steht eigentlich als Nächstes auf deiner To-do Liste und würdest du wieder eine Weltreise starten?

Das nächste Ziel ist Chile, wo ich auf der Fernstraße Carretera Austral vom Seengebiet nach Patagonien fahren möchte. Die nächste Weltreise ist für meine Rente angedacht. Wer einmal so eine Reise macht, wird definitiv zum „Serientäter“.  

Liebe Beate, vielen Dank, dass du dir die Zeit für unser Interview genommen hast.
Wir wünschen dir noch viele tolle Reisen.

Fotos: © Privat